|
|
Zum Abnehmen ist sie nicht geeignet, die kanarische Speisekarte. Das Wort 'light' ist zwar auf den sieben Inseln bekannt - auf das Essen würde es jedoch kaum jemand anwenden. Verlangt ein Vegetarier ein fleischloses Menü, kann er sich auf den unschuldigen Vorschlag des Kellners gefaßt machen: ' ... dann nehmen Sie doch etwas mit Huhn oder Kaninchen. Wir haben aber auch frischen Fisch.'
Wer es sich leisten möchte, erlebt hingegen auf den Kanaren kulinarische Genüsse: das Essen beginnt mit einem Bier, ein kanarisches Bier wohlgemerkt, serviert in einem geeisten Glas. Empfehlenswert ist Inselwein, den es leider nur in wenigen Restaurants gibt. Ein Rioja ist auf jeden Fall ein guter Ersatz. Wer Alkohol meiden möchte, sollte Appletiser verlangen - eine Art Apfelschorle, Mineralwasser (agua mineral) oder frischgepressten Orangensaft (zumo de naranja). Manche Lokale bieten frischen Saft von Papayas, Erdbeeren, Tunos (Kakteenfrüchte) oder Pampelmusen an.
Suppe - da spannt sich der Bogen von der Boullion bis zum Eintopf. Wenn Sie auf der Speisekarte Sopa de Pescado entdecken - Fischsuppe also - sollten Sie zugreifen; fallen Sie nicht auf den verheißungsvollen Namen Consomé herein - das ist meist nur eine simple Fleischbrühe.
Die Speisekarte sagt oft wenig darüber aus, welcher Fisch gerade im Angebot ist. Fragen Sie also den Wirt oder die Wirtin. Mancher Koch läßt die Gäste gerne aus dem Frischfisch auswählen, in anderen Lokalen werden Platten mit bis zu fünf Fischarten angeboten. Die Köche braten den Fisch in der Regel 'a la plancha', auf einer gasbeheizten Platte, einem Mittelding zwischen Grill und Pfanne. Kochfisch ist selten.
Wer gerne Fisch ißt, sollte Cherne, Sama oder Vieja probieren - jeweils 'a la plancha' zubereitet. Erstklassig sind Corvina, Mero und Caballa. Gegrillt schmecken die diversen Thunfischarten sehr gut, ab und zu werden saftige Haifischsteaks serviert. Einige Hafenrestaurants bieten Steaks vom Blauen Marlin. Hemingways 'Der alte und Mann und das Meer' schildert den endlosen Kampf mit einem solchen bis zu vier Meter langen Meeresbewohner, dem 'Fisch'. Muränenfleisch ist schmackhaft, leider hat es viele Gräten.
Natürlich bieten viele Lokale Meeresfrüchte aller Art an: Hummer, Langusten, Cigalas, Percebes (Entenmuscheln). Der Genuß hat seinen Preis - die 'Mariscos' werden von der iberischen Halbinsel eingeführt. Auf Sylt sind Austern billiger. An Meeresfrüchten bieten die Kanaren wenig. Lapas beispielsweise, Napfschnecken, die sich am Felsen festsaugen. Feinschmecker gehen mit einem Messer und einer Zitrone in der Tasche zum Strand und verzehren diese Tiere roh. Schmackhaft ist das rohe Fleich von Seeigeln; 'Huevas' sind eine Kanarenköstlichkeit, deren Reiz dem mitteleuropäischen Gaumen schwer zu vermitteln ist. Es handelt sich um gepreßte und stark gesalzene Fischeier. Es gibt Canarios, die sie wie Kartoffelchips beim Fernsehen knabbern ...
Gleich, ob Sie Fisch, Fleisch oder Tintenfisch verzehren: als Beilage bevorzugen die Einheimischen 'papas arrugadas', mit Meeressalz gekochte Kartoffeln. Begehen Sie nicht den Frevel, die Kartoffeln pellen zu wollen - sie werden mitsamt Schale gegessen! Dazu gehört ein Mojo, eine Tunke, deren Zubereitung von Insel zu Insel varriiert. Öl und Knoblauch sind immer dabei, meistens auch Paprika und Petersilie. Mojo picón ist rot und scharf; Mojo verde ist eine sanfte Kräutersoße. Eine Köstlichkeit ist der grüne Mojo de Cilantro, hergestellt aus Korinaderblättern. Verzichten Sie darauf, Mojo als Reiseandenken mitzunehmen. Die in den Supermärkten und Touristenläden angebotenen Sorten schmecken meist nur nach Essig.
Wer einen kulinarischen Abend abrunden will, genießt zum Schluß einen 'café solo' (Espresso) mit einem Brandy. Selbst wenn es Ihnen machohaft vorkommen sollte - bestellen Sie sich doch einmal einen 'puro', eine Zigarre! Aber bitte einen 'puro palmero' der in Breña Alta auf La Palma hergestellt wurde.
Tja, und dann lehnen Sie sich bequem zurück. Über Ihnen rauschen die Palmen, vom Meer her umfächelt Sie ein leichter Wind. Nehmen Sie einen tiefen Zug aus der Zigarre. Wenn Sie jetzt in die Brandung schauen, dann ahnen Sie vielleicht, was die Canarios mit der Auforderung meinen:
' tranquilo, hombre! '. |
|
|