Reiseberichte Wilder Westen



Der Wilde Westen Teneriffas

Unbedingt ins Ausflugsprogramm aufnehmen sollte man den Nordwesten. Ein empfehlenswerter Stopp auf dem Weg zum Bergdorf Masca ist Icod de los Vinos, wo El Drago, der Drachenbaum, steht, der berühmteste Sproß der Kanarenflora. Niemand kann genau sagen, wie alt das Agavengewächs ist. Die 400 bis 1000 Jahre - so weit differieren die Schätzungen - gingen an dem Riesen nicht spurlos vorbei: Mit Zementprothesen versucht man, den Verfall noch ein bis zwei Touristengenerationen hinauszuzögern. Demnächst soll der Drago auch Geld bringen, das Kassenhäuschen ist in Arbeit.

Rekordverdächtig ist auch das im Kirchenmuseum der Pfarrkirche San Marcos ausgestellte Silberkreuz - für die zwei Meter hohe Ziselierarbeit wurden 47 Kilo mexikanisches Silber verarbeitet. Nach dem Rundgang lockt die beschauliche Plaza mit einem kiosko unter Palmen zu Rast und Erfrischung.

Und Masca? Daß das Dorf sehr malerisch im Teno-Gebirge liegt, scheint sich herumgesprochen zu haben. Seit es durch eine mit Haarnadelkurven gespickte Straße an die Zivilisation angeschlossen ist, staut sich mitunter der Ausflugsverkehr. Gesehen haben sollte man Masca aber schon!

Wer es ruhiger mag, weicht zum westlichsten Zipfel Teneriffas aus, zum Leuchtturm an der Punta de Teno. Den herrlichen Blick auf die wuchtige Felsenkulisse von Los Gigantes kann man meist allein genießen - es sei denn, es ist Sonntag, wenn Ausflügler mit Picknickkörben und Ghettoblastern in das Idyll einfallen.

Fahren Sie am späten Nachmittag dort raus: das Farbenspiel von Felsen, kargem Pflanzenwuchs, Meer und Klippen ist atemberaubend! Die Straße von Buenavista del Norte ist seit den Regenfällen und Bergstürzen im letzten Winter in jämmerlichem Zustand: vorsichtig fahren!

Trotz der städtischen Ballungszentren Santa Cruz und La Laguna in der Nähe ist das Anaga-Gebirge im Nordosten ähnlich unberührt wie das Teno-Massiv. Faszinierend: Die Straße verläuft zeitweise genau auf dem Kamm, mit prächtigen Ausblicken nach hüben und drüben, hinunter in tiefe Schluchten und auf schroffe Steilküsten. Ein gut ausgebautes Netz von Wanderwegen, in den letzten Jahren neu beschildert und ausgewiesen, zieht sich durch das Gebirge - eines der lohnendsten Wanderreviere auf der Insel. Zum Beispiel gibt es hier noch Lorbeerwälder.

Im Restaurant Xiomara, am Ortseingang von Taganana, wartet Bürgermeister Don Domingo mit deftiger Landküche auf. Wenn das Wetter mitspielt, sollte man hinunter zur Playa de Benijo fahren. Die starke Unterströmung macht Schwimmen allerdings gefährlich. Risikolos baden kann man auf der anderen Seite, an der Playa de las Teresitas bei San Andrés, dem schönsten Strand Teneriffas. Was macht es schon, daß dies reine Retorte ist, goldgelb aufgeschüttet mit vier Millionen Sandsäcken aus der Sahara, mit schattenspendenden Palmen bepflanzt und von Dämmen beschützt, die der Brandung den Garaus machen.

Essens-Tip: In der Tapas-Bar Los Churritos an der Straße nach Santa Cruz gibt es leckeren Fisch.

Text: unbekannt