| Santa Cruz
Der Nationalpark der Cañadas, das vergessene Dörfchen
Taganana, die beeindruckende Schlucht Barranco del Infierno - über
viele Sehenswürdigkeiten Teneriffas wird in den Ausflugsempfehlungen
ausführlich geredet. Fast immer wird dabei die Hauptstadt der Insel
glatt vergessen.
Die Qualität einer Stadt reicht uns Zivilisationsmenschen oft genug
aus, ein mögliches Ziel zu disqualifizieren. Ungerechterweise,
zumindest was Santa Cruz angeht, wie sich heute schnell herausstellen
wird.
Beginnen wir's ganz am Anfang: Santa Cruz enstand sozusagen heimlich!
Ohne Grundsteinlegung, ohne Pauken und Trompeten, ja sogar ohne die
unvermeidliche Ansprache vom Bischof. Obwohl Alonso Fernández de Lugo
am dritten Mai 1494 mit 120 Mann im heutigen Stadtteil Cabo Llanos an
Land ging, um Teneriffa zu erobern, gründete er hier keinen Ort. Santa
Cruz wuchs einfach: Immer mehr Menschen wurden entlang des Küstenstreifens
seßhaft, schufen ihre Wohnstätten und nach und nach Santa Cuz.
Im Windschatten des Anagagebirges und mit einem natürlichen
Hafenbecken ausgerüstet, hatte die Stadt alle Vorteile auf ihrer Seite,
wuchs rasch und entwickelte sich zur Handelsmetropole zwischen drei
Kontinenten. 1803 löste sich Santa Cruz von La Laguna und wurde selbständig.
Nur 19 Jahre später wurde man stolze Hauptstadt Teneriffas und noch
stolzere Hauptstadt des kanarischen Archipels.
Heute ist Santa Cruz Verwaltungshauptstadt der westlichen Provinz
(Teneriffa, El Hierro, La Palma und La Gomera). Hier findet sich der
Sitz des kanarischen Parlaments und das Generalkapitanat.
Vor langer Zeit schwammen vor der Küste von Santa Cruz viele
Chicharros, kleine Fische, der Sardine nicht unähnlich. Dieser
unscheinbare Fisch gab den Einwohnern von Teneriffa ihren noch heute überaus
gebräuchlichen Beinamen "Chicharreros" (Lanzarote:
"Conejeros"; Fuerteventura: "Majoreros" usw.). Die
Hauptstadt ist heute vor allem das Geschäftszentrum der Insel. Viele
Elektronikgeschäfte im Hafenbereich, beinahe ausnahmslos im Besitz von
Indern, zwingen zum Preisvergleich. Überhaupt ist ein Einkaufsbummel in
dieser Stadt eine feine Sache, wenn Sie erst das Problem der Moderne überwunden
haben:
Wie finde ich einen Parkplatz? Eigentlich kann man Besuchern dieser
charmanten Stadt nur wenige Anfahrtsarten wirklich empfehlen. Entweder
nehmen Sie ein Taxi, lassen sich vom Helikopter abwerfen oder kennen
Santa Cruz bereits in und auswendig, wenn Sie endlich die ersehnte Parklücke
erspäht haben. Denken Sie an uns - Sie werden diesen Tip zu schätzen
wissen: Fahren Sie gleich in das Parkhaus unter der Plaza de Europa, das
über die direkte Zufahrt an der Avenida José Antonio Primo de Rivera
zu erreichen ist.
Und danach der Bummel über die beeindruckende Plaza de España erst
einmal in das Touristik-Büro der Inselregierung im großen grauen
Bauwerk an der Westseite der Plaza. Hier erhalten Sie einen Stadtplan
und Informationen in deutscher Sprache von sehr netten, wenn auch
manchmal etwas gelangweilt wirkenden Mitarbeitern.
Sollten Sie jetzt unseren Rat beherzigt haben, das Scheckbuch im
Hotelsafe gelassen und mit einem begrenzten Bargeldvorrat ausgerüstet
zu sein, könnten Sie ohne Gewissensbisse mit der besten aller Ehefrauen
einen Streifzug durch die wichtigste Einkaufsstraße, die Calle
Castillo, unternehmen. Viele kleine Geschäfte, Bars und Restaurants
laden zum Verweilen ein. Europäisches Warenangebot verquickt mit
mediterranem Flair geben Santa Cruz den so eigenen Charakter.
Tun Sie sich selbst den Gefallen, sich treiben zu lassen. Die kleinen
Gassen, ab von den Hauptstraßen, enthüllen den ganzen Charme dieser
Stadt. Der Altstadtbereich im Viertel bei der Iglesia de la Concepción
ist lohnenswert. Ein Blick in die Kirche sollte dabei nicht fehlen.
Schlendern Sie dann unter den alten indischen Loorbeerbäumen auf der
Rambla General Franco entlang. Am Kiosko La Paz auf der Rambla muß Zeit
sein für einen Kaffee oder ein kühles Bierchen - die Seele baumeln
lassen ... einfach so!
Überhaupt sind die Kaffees und Bierchen wichtige Bestandteile eines
Spaziergangs durch Santa Cruz: Dem Volk aufs Maul schauen, das kann man
hier herrlich und entspannen. Und wenn Sie's nicht glauben, setzten Sie
sich doch einmal eine halbe Stunde in das Gartenrestaurant an der Plaza
del Príncipe de Asturias! Danach, sozusagen als kulturelle Ergänzung,
gefällt Ihnen vielleicht ein Besuch im Museum der Schönen Künste ganz
in der Nähe?!
Es gibt eine Menge zu sehen in Santa Cruz - und noch mehr zu erleben
für denjenigen, der zu beobachten gelernt hat und in der Lage ist,
eigene Verhaltensmuster zu subtrahieren. Einer der wichtigsten Punkte in
Ihrem Ausflugsplan sollte der Parque García Sanabria sein. Dieser
Stadtpark versammelt eine Unmenge von botanischen Repräsentanten aller
möglichen Herkunftsländer. Oder wissen Sie auf Anhieb, was
afrikanischer Schneelorbeer ist? Kanarische Säulenkakteen neben einer
gewaltigen Zeder aus Kuba. Hier treffen Sie nicht nur auf botanische
Sehenswürdigkeiten. Mehrere, teilweise namhafte Künstler haben ihre
modernen Plastiken im Park aufgestellt. Und damit die Kleinen nicht zu
kurz kommen: Ein Kinderspielplatz und eine Minigolfanlage laden zur
Kurzweil ein. Im Gartencafé bei der Sonnenuhr sitzt man sehr gemütlich,
selbst wenn die Bedienung noch unfreundlicher wäre.
Bis vor wenigen Jahren noch lebte Santa Cruz "mit dem Rücken
zum Meer", wie oft gesagt wird. Das einst geschäftige Treiben im
Hafen läuft praktisch isoliert vom Rest der Stadt ab. Mit dem neuen
"Parque Marítimo César Manrique" soll sich das nach und nach
ändern, wenn es nach dem Willen der Stadtväter geht. Die Einweihung
der ersten Phase hat die großen Meerwasserschwimmbecken,
Sonnenterrassen und einige Infrastruktureinrichtungen für die Besucher
freigegeben. Das neue Freizeitangebot wird von Einheimischen und
Besuchern offensichtlich dankbar angenommen. Im vergangenen Karneval -
in Santa Cruz der jährliche Höhepunkt aller Festivitäten der Kanaren
- fanden im Parque Marítimo etliche Veranstaltungen statt und sorgten
dafür, den neuen Park weiter bekannt zu machen.
Wer einen Überblick will, muß sich vom Anschauungsobjekt entfernen:
Das gilt nicht nur, aber auch für die Stadt Santa Cruz. Auf der Straße
nach La Laguna gibt es einen Platz, der Vistabella heißt und einen
Rundblick fast über die gesamte Stadt gestattet.
Vom Überblick zum Durchblick: Sonntags morgens ist ein Besuch des
Flohmarkts Pflicht, will man das exzentrische Warenangebot begutachten,
das hier feilgehalten wirkt. Sie finden ihn rund um den in maurischem
Stil erbauten Markt "Mercado Municipal Nuestra Señora de
Africa".
An Wochentagen, und wenn Sie nicht zu den Langschläfern gehören,
lohnt sich auch der Besuch dieses quirligen Marktes mit den exotischen
Obstsorten, frischen Kräutern und anderen kulinarischen Genüssen, die
den Geruchssinn die Konzentration verlieren lassen.
Santa Cruz ist, wenn das Parkplatzproblem gelöst würde, eine
faszinierende Stadt. Faszinierend deswegen, weil jeder ihr Ambiente mag,
ohne es letztendlich genau definieren zu können. Nach Ihrem eigenen
Besuch der Hauptstadt werden Sie genau wissen, was damit gemeint ist.
Und sollten Ihnen irgendwann die Beine weh tun: An der Plaza de España
finden Sie die Haltestelle für den kleinen Zug, der Sie in gemütlichem
Tempo durch die wichtigsten Bereiche der Stadt fährt (das Bierchen hat
er allerdings nicht an Bord!).
Text und Photo: InfoCanarias |