Reiseberichte Die Pyramiden von Güimar II



Steinhaufen oder Kulturdenkmäler

Kritiker der Theorien Thor Heyerdahls vermuten, daß die stufenförmigen Steingebilde nichts weiter seien als das Ergebnis fleißiger Bauern:
Sie hätten einfach die Gesteinsbrocken auf ihren Äckern zusammengesammelt und am Rand zu großen Haufen geschichtet.

Die Forscher der Ausgrabungsstelle in Güimar widersprechen: Die Bauern haben, um an den steilen Hängen Teneriffas Felder beackern zu können, Terrassen angelegt. Die Steine für die Terrassen nahmen sie aus dem Boden ringsum. Im Gegensatz dazu bestehen die Pyramiden aus eckigen Blöcken, wie sie sich nur in Lavaflüssen finden.

Möglicherweise wurden sie sogar eigens aus deren Hohlräumen herausgeschnitten, weil sie dort glatter sind. Außerdem liegt jeder Stein in den Pyramiden mit seiner flachen Seite nach außen und die Ecksteine sind behauen. Dort, wo aus dem Untergrund Fels herausragt, wurde er weggeschlagen, um eine Fläche mit den Mauern zu formen.

Würden sich Bauern so viel Mühe machen, nur um ihr Feld von Steinen zu befreien? Heyerdahl befand weiter, daß die einzelnen Stufen der Pyramiden so haargenau angelegt wurden, daß dies nur mit Schnüren geschehen sein könne. Ganz zu schweigen von den astronomischen Berechnungen, die nötig waren, um die Anlagen so exakt nach der Sonne auszurichten. Und schließlich sei es unwahrscheinlich, daß Bauern sorgfältig Treppen angelegt haben sollen, nur um die lästigen Feldsteine besser nach oben schaffen zu können - zumal sich auf der obersten Plattform gar keine Steine finden.

Von den Entdeckungen Heyerdahls aufmerksam geworden, haben Einwohner Teneriffas auch an anderer Stelle Pyramiden entdeckt - so oberhalb von Icod de los Vinos an der Nordküste, inmitten von Weinstöcken.

Text und Photo: Wenke Heß
Süddeutsche Zeitung