Reiseberichte Los Gigantes
















Los Gigantes

Begleiten Sie uns heute auf einer herrlichen Fahrt von Puerto de la Cruz aus rund um den Teide und durch die Berge des Westens nach Los Gigantes. Für diesen Ausflug sollten Sie sich mit viel Zeit ausstatten und einen Tag mit besonders guter Fernsicht wählen - es lohnt sich.

Los geht's in Puerto de la Cruz auf der Straße C-820 in Richtung Westen. Auf dem Weg nach Icod de los Vinos fallen die vielen Obsthändler am Straßenrand auf, die frisches, selbstangebautes Obst und Gemüse zu meist günstigen Preisen feilbieten. Die Aussicht nach rechts über die Steilküste und das Meer schreit nach Fotos. Doch wie das so ist: Keine Zeit. Also, machen Sie`s besser: Nur keine Hektik!

In Icod de los Vinos könnten Sie die Gelegenheit nutzen, sich den schon weit über die Grenzen Teneriffas berühmten Opa aller Drachenbäume anzusehen. Auch die lange Einkaufszone des hübschen Ortes lädt zu einem ausgedehnten Bummel ein, der aber schnell teuer werden kann bei dem reichhaltigen Angebot. Jedenfalls wünschen wir Ihnen vorsorglich, daß Ihnen die Souvenirs, die sie überall kaufen, zu Hause angekommen auch noch gefallen! Serpentinen quälen sich den Berg hoch und zwingen den Fahrer zu einer beschaulicheren Fahrweise, was der Beifahrer nur begrüßen kann - schließlich will man die Aussicht genießen.

Handgemalte Schilder am Straßenrand weisen immer wieder eindringlich darauf hin, daß Icod eines der wichtigsten Weinbaugebiete der Insel ist; "Se vende vino del país". Ein Fläschchen Inselwein, weil wir schon von Souvenirs gesprochen hatten, ist nicht das schlechteste Mitbringsel. Vor El Reparo sollten Sie kurz anhalten und die Minolta zücken: Der fantastische Blick aus der Höhe auf den Roque de Garachico, der über dem ältesten Hafen Teneriffas thront, und die davorliegende Playa de los Aguas sind schon ein paar Schnappschüsse wert, die den Lieben nach Heimkunft später gezeigt werden - ob die nun wollen oder nicht.

Kurz nach El Tanque, dieser Gemeinde, die ehemals das größte Weizenanbaugebiet der Insel darstellte und heute nur noch 20 Prozent kultivierbare Oberfläche aufweist, schlagen wir Ihnen einen kleinen Umweg vor, der oft keiner ist, weil wir Menschen selten geneigt sind anzuerkennen, daß ein Schlenker ab vom geplanten geraden Pfad oft eine Bereicherung verspricht. Also Schluß mit der Ausflugsphilosophie und biegen Sie nach der 3.000 Einwohner-Gemeinde El Tanque nach links in eine kleine Straße, die mit "Parque Recreativo" eher unauffällig beschildert ist. Rechts und links dieser Straße finden Sie kleine landwirtschaftliche Parzellen, die wie vor Urzeiten noch von Hand und mit Pferd und Pflugschar bearbeitet werden. Achtung: Wenn Sie nicht gerade mit einem Allradfahrzeug unterwegs sind, sollten Sie lieber auf uns hören und die nächste Abbiegung nach rechts nehmen, denn sonst ...

Durch das winzige Bergdorf San José de Los Llanos hindurch erreichen wir wenige Kilometer weiter wieder "unsere" Hauptstraße. Zwei Möglichkeiten: Rechts winkt ein Abstecher nach Erjos, links folgen Sie unserer Ausflugsroute weiter. Ein Tip, der Ihnen die Entscheidung vielleicht erleichtert: Wählen Sie lieber einen anderen Tag für die Lagunas de Erjos - es lohnt sich und heute wollten wir doch nach Los Gigantes, erinnern Sie sich? Aber Sie haben ein recht darauf zu erfahren, was die Lagunas de Erjos sind. Dieses Gebiet entstand erst kürzlich durch Erdaushebungen. Regenwasser sammelte sich in den Löchern im lehmigen Erdreich. In diesem Biotop haben nun verschiedene Vogel- und Fischarten ihre Wohnung und sie werden ab und zu besucht von einer Kolonie Wandervögel. Bemerkenswert ist, daß sich hier eine Flora gebildet hat, die dem bekannten Nationalpark Doñana (Huelva, Andalusien) gleicht. Offensichtlich müssen die Zugvögel wohl öfter mal ein paar Samen mit herbringen.

Also, links weiter auf "unserer" Hauptstraße C-820 und schon holt uns die sogenannte Zivilisation in Form einer Jeep-Safari wieder ein. Im ersten Jeep steht ein Mann mit Videokamera und filmt die Karawane der neuzeitlichen PS-Kamele samt Staubfahne, damit nachher jeder Einzelne in Castrop-Rauxel bebildert davon berichten kann, was für tierische Abenteuer er auf Teneriffa zu bestehen hatte. Der Kampf mit dem Drachen war ein Dreck dagegen, ja, ja.

Nach jetzt eineinhalb Stunden, in denen wir die unglaubliche Distanz von sage und schreibe 41 Kilometern zurückgelegt haben, erreichen wir Santiago del Teide, wo ein Schild am Ortseingang für die "Naturaleza Calida" der Kanarischen Inseln wirbt. Die angepriesene Natur wetteifert mit den leeren Cola-Dosen und dem Unrat, der die neben der Straße stehende Mülltonne aus nicht ganz verständlichen Gründen um mehrere Meter verfehlt hat.

Von nun an ging's bergab! Nein, nicht der Schlager von Hilde Knef ist gemeint, sondern die Serpentinenfahrt Richtung Guía de Isora. Nach 15 Minuten Kurvenfahrt begegnen Sie einem rechtsstraßigen Hinweisschild, das darauf besteht, daß es nun nur noch neun Kilometer nach Los Gigantes sind. Weitere Serpentinen winden sich durch Bananenplantagen und Felder. Vor uns liegt ein weit ausgestrecktes Tal. Es sieht beinahe so aus, als sei der Boden des Tals mit Stanniolpapier ausgelegt, das in der Sonne funkelt, so dicht stehen die Gewächshäuser aneinander, in denen außer Bananen meist Tomaten gezogen werden.

Das Ziel ist erreicht. Die Ortseinfahrt von Los Gigantes verspricht, was sich später als sicher herausstellen soll: Dies ist ein maritimer Ferienort für diejenigen, die sich eher um Anlagemöglichkeiten für ihre Aktienpakete kümmern, als darum, woher sie die nächste Miete nehmen.

Ein kleiner Springbrunnen von Bäumen umrahmt. Im Hintergrund spiegelt sich die Sonne im tiefblauen Meer vor den Steilfelsen - wo um Himmels Willen ist nur wieder die Minolta geblieben?

Das Herz von Los Gigantes ist der elegante Sporthafen. Von dort starten Hochseeangler zur Jagd auf größere Meeresbewohner, eine Delphin-Safari wird angeboten (was es alles gibt!) und andere kleinere Ausflugsschiffe versprechen Kurzweil. Die vor Anker liegenden Yachten entsprechen in Größe und Ausstattung dem schon erwähnten Aktienpaket der Eigner. Vorwiegend Englisch ist hier "Amtssprache", unterbrochen von Deutsch und wenig Spanisch. Los Gigantes macht einen überaus gepflegten Eindruck und scheint ein Paradies für Gärtner auf Arbeitssuche zu sein: Jedes Haus stellt sich als kleine grüne Oase dar und zeigt, daß die Wasserrechnung keinen Grund zu größerer Besorgnis darstellen kann.

Haben Sie jetzt Appetit auf frischen Fisch bekommen? Dann schlagen wir Ihnen zum Schluß vor, am Ufer entlang nach Süden bis Alcalá oder Playa de San Juan weiterzufahren. Diese Orte erfreuen sich bei der Bevölkerung der Insel großer Beliebtheit wegen der frischen Schwimmtiere auf den Tellern. Und zum Fisch bestellen Sie dann den guten Inselwein. Lassen Sie es sich schmecken und kommen Sie gut wieder nach Hause!

Text und Photo: InfoCanarias