Reiseberichte Loro Parque


Vom Botanischen zum Tierischen
Der kurze Weg vom Luxushotel zu einer der hübschesten Attraktionen Teneriffas, dem Loro Parque

Und ein Stern ging auf über Teneriffa, und es war der fünfte seiner Art, und viele Menschen freuten sich sehr, denn es gab auf dieser Insel zu jener Zeit nur wenige Luxusherbergen. So geschehen mit dem Hotel Botánico in Puerto de la Cruz, welches zwar vorher als Vier-Sterne-Hotel schon Könige beherbergt hatte, aber erst seit seinem Besitzerwechsel und dem anschließenden Umbau 1996 zum wirklichen Nobelhotel avancierte. Das Haus nur einen Katzensprung vom Botanischen Garten entfernt verfügt neben seinen 250 geräumigen Zimmern und Suiten über ein höchst modernes Vital-Center mit Schönheitsfarm (Verjüngung ohne Skalpell nach Dr. E. Schulte), Arztpraxis und Physiotherapie.
Drei Spezialitätenrestaurants (zur Eröffnung des renommierten Thai-Restaurants war sogar Königin Sirikit anwesend) lassen die im Fitneßraum abgearbeiteten Pfunde möglicherweise wieder wuchern. Die 20.000 Quadratmeter große Parkanlage mit seltenen tropischen Bäumen, beheizbaren Süß- und Salzwasserschwimmbecken, zwei Quarzsand-Tennisplätzen, Whirlpool und Spielmöglichkeiten für Kinder ist auch für Golfer interessant: Ein Putting Green steht bereit. Das gilt auch für die Royal Suite (mit wahrhaft königlichen Ausmaßen) im oberen Stockwerk mit Blick über Stadt, Meer, Gebirge und Bananenfelder.

In Puerto de la Cruz gibt es natürlich auch Strände mit mehr oder weniger feinem, schwarzem Sand, außerdem die großzügige Anlage der Meerwasserschwimmbäder aber die meisten Gäste aus dem kalten Norden tauen am jeweiligen hoteleigenen Pool am schnellsten auf. Zahlreich sind die Attraktionen auf Teneriffa nicht eben: eine Fahrt zum höchsten Berg Spaniens, dem Teide, eine Inselrundfahrt, Shopping natürlich, auch Wanderungen durch enge Schluchten und auf steile Berge wenn man überhaupt bis dorthin gelangt. So trifft es sich gut, daß schon im Jahr 1972, damals noch vor den Toren der Stadt und nur ein Zehntel so groß wie heute, der Loro-Park gegründet wurde (der Besitzer ist auch Eigentümer des Hotels Botánico). Hier dreht sich (fast) alles um Papageien. Die schreien und kreischen und plärren, daß die Ohren schmerzen. Nur ganz gelegentlich glaubt man ein spanisches 'Hola' herauszuhören. Kein 'Hansi ist lieb', kein kräftiger Seemannsfluch. Können diese zahllosen Papageien denn überhaupt nicht sprechen? "Aber sie reden doch ununterbrochen", meinte Inge Feier, die Direktorin der Stiftung Loro-Park, die den Besucher, aber auch die Tiere versteht. "Die sind hier doch nicht einsam, deshalb müssen sie auch keine Fremdsprache erlernen. Sie unterhalten sich ja den ganzen Tag auf papageiisch!" Und wie.

Das Geschrei von 300 Arten, die größte und umfassendste Papageienkollektion der Welt sind auf einem Areal von 125.000 Quadratmeter vereint. Viele der Tiere in der Größenordnung Adler bis Fink sind in freier Natur vom Aussterben bedroht, von manchen gibt es nur noch verschwindend wenige Exemplare. Hier werden sie in sattgrüner Umgebung gehegt, gepflegt und erfolgreich gezüchtet ein guter Teil wird per Hand hochgepäppelt, denn nicht jede Papageienmutter sagt ja zum Kind.

Mindestens drei Paare jeder Art verbleiben zu Zuchtzwecken im Park, überzählige werden über artgerechte, handverlesene Zoohandlungen verkauft. So kommt immerhin gelegentlich ein Ara-Prachtexemplar in den Handel, ohne mit dem Artenschutzgesetz zu kollidieren. Außerdem tragen diese Einnahmen zum Unterhalt der Stiftung Loro-Park bei, die vor vier Jahren eingerichtet wurde. Sie kooperiert mit allen Ländern, in denen Papageien heimisch sind und betreibt ökologische Studien, Artenschutz, Habitatschutz und Wiederansiedlungsprojekte.

Etwa zwölf Millionen Besucher zählt der Loro-Park seit seinem Bestehen. Die bekommen freilich mehr zu sehen als nur Vögel: Wasserfälle und Seen, Bäume aus fünf Erdteilen (allein 300 Palmenarten) und ein Orchideenhaus, ein echtes Thai-Dorf, ein sehr modernes Kino, kleine Fische von oben, große Haie von unten, Fledermäuse in ihrer Höhle und Gorillas im Freien, Tiger, Krokodile, Flamingos und Kronenkraniche sowie Seelöwen- und Delphinakrobaten in ihren Shows. Denen scheint das Leben dort Spaß zu machen manchmal glaubt man, sie würden während ihrer Vorführung sogar richtig lachen; die Zuschauer tun das ohnehin.

Text: Inge Schröder-Wunder