Ein Teil der in der 'Casa Torrehermosa' gezeigten Keramiken stammt
aus dem Töpferdorf Arguayo bei Santiago del Teide. In diesem Ort kann
man in einem dekorativen Museum zuschauen, wie die junge Marta nach
Guanchen-Art Töpfe knetet, ganz ohne Töpferscheibe, die den
Ureinwohnern unbekannt war.
Der Zahn der Zeit nagt an dem von den Ureinwohnern 'Echeide'
genannten Berg Teide. Die Guanchen mieden ihn, war er für sie doch Sitz
der bösen Gottheit Guayata, die in ihrer Rachsucht Feuer und Verderben
auf die Menschheit schleuderte, eine Erinnerung an die Vulkanausbrüche.
Der moderne Mensch hat solche Ängste verloren, eroberte auch Teneriffas
seit langem friedlichen 'Zuckerhut'. Ergebnis des friedlichen Feldzugs:
Auf neuen Karten hat der Teide - Spaniens höchster Berg - nur noch
3.717 Meter, vorher waren es 3.718. Die Spitze des Vulkanbergs wurde
allmählich von vielen Millionen Touristensohlen abgetragen. Schätzungsweise
665.000 kleine Steinchen rieselten täglich nach unten. Jetzt ist am
Ende der Seilbahn, auf 3.555 Meter, auch Ende des Aufstiegs.
Erinnerung an die Guanchen auch auf der Fahrt durch die Dörfer. Die
Lucha canaria ist ein Ringkampf der Altkanarier, der in den letzten zehn
Jahren zum fast olympiareifen Inselsport geraten ist. Beinahe jeder Ort
hat seine Arena; Fernsehen und Zeitung berichten jede Woche über die
Ausscheidungskämpfe der starken Männer, selbst aus dem früheren
Einwandererland Venezuela kommen die Teams. Die neuen Regeln
unterscheiden sich jedoch von den früheren. Heute tragen die Sportler
Hemd und kurze Hosen, die Guanchen hingegen rieben ihre nackten Körper
nur mit Fett ein - damit der Kampfpartner nicht so leicht zupacken
konnte.
Text: Gottfried Aigner (SZ)
La Orotava - Stadt des schönen Ausblicks
Auch die zweitschönste der alten Teneriffa-Städte, La Orotava, hat
sich aufgerafft. Mit der Gründung der 'Casa Torrehermosa' in einer vor
dem Verfall geretteten Villa will man dem einheimischen, durch
Abwanderung in die Urlauberzentren gefährdeten Kunsthandwerk wieder auf
die Beine helfen. Das Haus mit holzgeschnitzten Balkonen und Treppengeländern
ist Teil eines neuen Kulturzentrums. Dazu gehört auch das gegenüberliegende,
renovierte Kloster Santo Domingo, die Kirche mit einer wunderschönen,
bemalten Holzdecke und jenseits des Kreuzgangs das Iberoamerikanische
Museum mit einer sehenswerten, sehr reichen Sammlung, die Teneriffas
Beziehungen zu Mittel- und Südamerika dokumentiert.