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El Medano
Einer der sonnensichersten Flecken von Teneriffa wurde uns
versprochen und "ein wirklich schöner Strand".
"Na," würde Franz Beckenbauer sagen, "dann schaun 'mer
mal!" Die Südautobahn ist der schnellste und bequemste Weg in die
Gemeinde Granadilla.
Sehr gut ausgebaut ist diese Straße. Und braucht wirklich nicht vier
Spuren in jede Richtung, wie irgendwelche fortschrittswahnsinnigen
Politiker lokaler Größe vor den Wahlen glaubten fordern zu müssen.
Wenn das aber nicht das Ziel ist, dann muß es wohl ein anderes geben:
Größtmögliche Erhaltung der natürlichen Ressourcen und so wenig
Beton wie irgend geht. Und in dieses Konzept paßt eine Erweiterung der
Südautobahn wie ein Hai in einen Karpfenteich. Also, wie gesagt, in den
Süden bis zur Abfahrt San Isidro, Granadilla und El Medano kurz vor dem
Flughafen Reina Sofia.
Für Urlauber, die an das Grün des Nordens gewöhnt sind, bietet der
Süden mal eine "wüste" Abwechslung". Der Fläche nach
ist Granadilla die drittgrößte Gemeinde der Insel nach Arona und La
Orotava. 1686 schrieb der Historiker Nuñez de la Peña: "Hier
erntet man viel Weizen und züchtet viel Vieh, denn das Land um
Granadilla und um Chasna ist fruchtbar. Die ganze Umgebung besitzt
Wasser. Es gab sogar Jahre, in denen man eine Fanegada (alte span. Maßeinheit)
Weizen aussäte und hundert und mehr erntete."
>Heute baut man Kartoffeln, Mais und etwas Gemüse im Bereich der
Mittellage und an der Küste Touristen und Tomaten an. Wer sagt es denn:
Nachdem wir beinahe die ganze Zeit unter einer mehr oder weniger dichten
Wolkendecke dahingefahren sind, empfängt uns El Medano mit strahlendem
Sonnenschein. Aber bitte - erwarten Sie nicht zuviel von diesem Platz an
der Sonne.
Architektonisch oder städtebaulich gesehen ist herzlich wenig zu
vermerken. Einige Hotels, eine kleine Promenade, ein Platz mit einigen
Restaurants und Bars und halt ein netter Strand. Im Sommer verbringen
hier viele Tinerfeños ihren Urlaub - dann mag es entschieden belebter
sein in El Medano. Dennoch ist der Ort weit, weit entfernt von der
Massifizierung in Los Cristianos oder Playa de las Américas. Heute ist
es erstaunlich ruhig hier. Das Urlauberdasein läuft fast in Zeitlupe
ab.
Und windig ist es! Beinahe wie auf Lanzarote! Kein Wunder, daß
dieser Strand als Windsurf-Zentrum einen überaus guten Ruf hat. Leuten,
die auf ihre Frisur achten oder Perücke tragen, kann man El Medano
allerdings nur sehr bedingt empfehlen. Dagegen haben Fotografen mehrmals
im Jahr Hochsaison, wenn nationale oder internationale Wettbewerbe im
Windsurfen ausgetragen werden. Ein Einheimischer erzählt von einer
angeblich todsicheren Regel: "Wenn es hier windig ist, dann ist es
windstill in Las Américas und Los Cristianos - und umgekehrt", erzählt
er. Da es in den südlichen Ferienorten meist windstill ist, erklärt
sich so, daß einem in El Medano der Sand fast ständig eine perfekte
Panierung verschafft.
Nachdem wir den Ort mehr oder weniger erfolgreich nach ein paar
Fotomotiven abgegrast haben - Sie merken schon: wir konnten uns vor
Begeisterung kaum beherrschen -, bleibt nur noch der Weg mit dem Auto
zum Strand am Montaña Roja, genannt Playa de la Tejita. Den erreichen
Sie, indem Sie wieder in Richtung Autobahn fahren und dann vor dem
Hinweisschild in Richtung Los Abrigos links abbiegen. Vorbei an einem
Hotel, das mitten in der Wüste eine kleine grüne Oase bildet, umgeben
von einer Geisterlandschaft aus Straßen, die Schlimmes befürchten läßt.
Das Auto stellen Sie besser hier ab und legen die letzten paar Meter
zum Strand zu Fuß zurück. Für eine Insel, die mit Stränden nicht
gerade in überreichlichem Maß gesegnet ist, wird Sie der Anblick
freudig überraschen: Weiß, lang und breit und in keiner Weise überlaufen,
präsentiert sich ein Strand, der auf Teneriffa ganz bestimmt zu den Schönsten
gehört. Die FKK-Anhänger frönen hier ihrer Haut und wieder einmal
werde ich das Gefühl nicht los, daß sich immer nur diejenigen komplett
entblättern, die man beileibe nicht entblättern haben möchte....
Nun schön, jeder wie er mag! Abgesehen von den Umweltschönheiten am
Strand ist die Natur an dieser Stelle noch immer ökologisch unversehrt.
Obwohl es nicht an Versuchen gefehlt hat, dieses Gleichgewicht zu
(zer)stören. Von dem Versuch, auch diese Landschaft mit Ferienanlagen
zu bepflastern, zeugt eine scheußliche Siedlung an der Seite des
Strandes.
Wenn Sie von Sonne, Sand und Meer genug haben, raten wir Ihnen, noch
ein paar Meter weiter nach Los Abrigos zu fahren. Dorthin kommt man fast
ausschließlich, um Fisch und Meeresfrüchte zu essen. Das weiß jeder.
Und weil es jeder weiß, eröffneten nach und nach immer mehr
Restaurants. Diese neuen Restaurants führten wiederum zu noch mehr
Kunden. Aber da die Nachfrage mit dem von den Fischern gelieferten
frischen Fisch nicht mehr gedeckt werden konnte, finden sich auch ab und
zu tiefgekühlte Schwimmtiere auf den Tellern, die in der Speisekarte
als frischer Fisch angekündigt werden. Ein wachsames kulinarisches Auge
ist also angesagt!
Um der Wahrheit die Ehre zu geben und nichts zu beschönigen: Dieser
Ausflug hat uns, wie Sie vielleicht schon gemerkt haben, nicht gerade zu
euphorischen Gefühlsausbrüchen verleitet. El Medano ist sicher ein
Paradies für Surfer und der Strand Playa de la Tejita einer der schönsten
der Insel. Damit hat sich's dann aber auch! Wer kanarische Atmosphäre
sucht, ist mit dem Ortskern von Granadilla besser beraten. Ein Gläschen
des hervorragenden Chimiche (Weißwein) in diesem Örtchen, wo das Leben
seinen Pulsschlag auf ein Minimum reduziert sieht, verdeutlicht Ihnen,
was das spanische Wort "tranquilo" wirklich bedeutet. Die
Hektik und Unruhe der Feriengebiete ist in Granadilla ein Fremdwort. Die
Kirche ist einen Besuch wert, obwohl die seitlichen Altarbilder vor
Jahren von einigen Mönchen als Brennholz verkauft wurden. Sie ist dem
Schirmherrn San Antonio de Padua geweiht und hat ein Schiff mit zwei
Seitenkapellen, ein schönes Altarbild und eine Decke im Mudajarstil.
Lassen wir es damit genug sein für heute. Vielen Dank, daß Sie uns
begleitet haben bei unserem Versuch, den verschiedenen Landschaften und
Sehenswürdigkeiten dieser so vielseitigen Insel ein Stück näher zu
kommen.
Text und Photo: InfoCanarias |
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