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Bajamar
Von Puerto de la Cruz aus ging es über die Autobahn Richtung
Santa Cruz bis zur Abfahrt Tacoronte. Schade, daß nicht Samstag ist.
Dann nämlich ist der Bauernmarkt einen Besuch wert. Frisches Gemüse,
Obst, Blumen, Obst und Kräuter können dann direkt vom Erzeuger zu günstigen
Preisen gekauft werden.
Hier in Tacoronte, so erfahren wir, gibt es ein reichhaltiges Angebot
an freistehenden Mietwohnungen zu günstigen Preisen, was auf Teneriffa
heutzutage keineswegs die Regel ist. Aber heute heißt das Ziel Bajamar
und Punta de Hidalgo, also geht es abwärts weiter Richtung Küste nach
Tejina- unter der Weihnachtsbeleuchtung durch, die im Februar immer noch
die Straßen schmückt. "Felices Fiestas - Fröhliche
Feiertage" steht hoch über der Straße zu lesen: Das nächste
Weihnachtsfest kommt bestimmt.
Der Blick aus der Höhe über die Küste ist wirklich nicht übel.
Vorbei geht es an einem großen Drachenbaum, der schon
Alterserscheinungen aufweist und von Stahlträgern gestützt werden muß.
Ab dem kleinen Ort San Juan ist zu erkennen, daß die Landwirtschaft
hier noch nicht ganz dem Tourismus gewichen ist. Die "Pasteleria
Alemana" mit dem teutonischen Namen Zenker, das Schild rechts an
der Straße macht Reklame dafür, ist längst nicht mehr so deutsch wie
sie einmal war - sie wird jetzt von einem spanischen Inhaber geführt.
Je weiter man in Richtung Bajamar fährt, desto dicker werden die
Villen, die auf großen Grundstücken davon zeugen, daß diese Gegend
auch bei denen beliebt ist, die die Pesete nicht dreimal umdrehen müssen.
Am Ethnographischen Museum vorbei - hier wachsen die wunderschönen
Strelizien auf dem Feld, die von Urlaubern so gerne mit nach Hause
genommen werden, weil sie sehr haltbar sind.
Hinter Tejina kommt dann endlich Bajamar und Punta de Hidalgo ins
Bild. Die Betonklötze an der Küste zeugen in ihrer Bauweise davon, daß
man sich hier in den sechziger Jahren touristischen Aufschwung
versprach. Ob die Tatsache, daß Bajamar nicht so wetterbeständig ist
wie beispielsweise der Süden und oft windiger ist als andere Orte, die
Schuld daran trägt, daß sich die Hoffnungen nicht erfüllten? Dennoch:
An der Küste, unten bei den Meeresschwimmbädern, über die immer mal
wieder eine Welle hinwegfegt, treffen wir jede Menge Urlauber. Hier wird
ausschließlich Deutsch gesprochen. Rentner dominieren die Szene. In der
Sonne auf den warmen Steinen sitzen und bei leichtem Plausch aufs blaue
Meer hinausschauen - so läßt sich das Leben ertragen!
Warum gerade Bajamar als Urlaubsziel, fragen wir eine Gruppe älterer
Leute in Badekleidung unten am Wasser. "Die Ruhe ist uns
wichtig", sagt eine Dame aus Cuxhaven und "hier kann man in
den Meeresschwimmbecken sehr schön baden ohne Gebühren bezahlen zu müssen,
wie zum Beispiel in Puerto de la Cruz." "Und viel grüner als
im Süden ist es hier auch", setzt ihr Mann hinzu. Beide verbringen
gerade ihren fünften Urlaub in Bajamar und gehören damit eher in die
Kategorie der Neulinge - nicht wenige sind schon zwanzigmal und öfter
hier gewesen. "Nu machen Sie bloß nicht so viel Reklame für
Bajamar", kommt die Stimme von hinten. Halb im Scherz, halb im
Ernst sagt eine Frau aus dem Raum Osnabrück: "Sonst kommen die
noch alle hierher."
Wandern, die Ruhe, günstige Preise und die Tatsache, daß man in
Bajamar immer Urlaubsbekanntschaften aus den Vorjahren wiedertrifft,
sind die Hauptargumente für diesen Ort, der ein bißchen wirkt wie ein
Tourismusziel von gestern. Drei bis sechs Monate bleiben die meisten
derjenigen hier, die dem deutschen Winter entfliehen. Reiseveranstalter?
Nein, privat haben Sie gebucht, wie in jedem Jahr. Über Preise schweigt
man sich aus, da hört die Auskunftsfreudigkeit abrupt auf.
Wir fahren weiter zum Punta de Hidalgo. Daß die Polizei hier eher
eine Seltenheit ist, wird auf dem Weg schon dadurch deutlich, daß die
Mopedfahrer stets ohne Sturzhelm zu sehen sind. Die zerklüfteten
Vulkanschluchten hinter dem tiefblauen Wasser sind ein herrliches
Fotomotiv. Am Ende der Straße ein Denkmal zu Ehren Sebastian Ramos,
"El Puntero", einem hervorragenden Vertreter kanarischer
Folklore. Seine beinahe lebensgroße Abbildung bewacht den
Aussichtspunkt seit Juli 1990, wie der Inschrift zu entnehmen ist.
Nach einem Blick ins Hotel Oceano, das "erste Haus am
Platze" wie uns versichert wurde, haben wir uns ein gutes Stück
deutschen Kuchen und eine Tasse Kaffee verdient. Wo? Na, im "Café
Melita" natürlich, das auf der ganzen Insel seit nunmehr 27 Jahren
für seine gute Konditorei ebenso bekannt ist wie für die spektakuläre
Aussicht über die Bucht. Und Glück muß man haben: Hildegard und
Werner Bittermann, das Ehepaar, das dieses Café vor nun schon knapp
drei Jahrzehnten übernahm, bevor es vor rund zehn Jahren an die Kinder
überging, sitzt auch bei einer Tasse Kaffee. Hübsch gemacht wollen die
Beiden zu einem Geburtstag der Enkelin. Das heißt Hildegard will und
Werner ... nun, halb zog sie ihn, halb sank er hin! Die Bittermanns
haben nie daran gedacht, im Alter wieder nach Deutschland zu gehen.
"Wer länger hier gewohnt hat, geht nie wieder nach
Deutschland", ist Frau Bittermann fest überzeugt. Und das habe
keineswegs nur mit dem guten Wetter zu tun, setzt sie hinzu.
"Bajamar hat etwas ganz Besonderes an sich, das man gar nicht
beschreiben kann. Ich habe meinen Gästen immer gesagt: Schauen Sie mal
da oben in die Berge. Da ist ein großes Loch - ein Nadelöhr. Wenn Sie
einmal dadurch schauen, kommen sie von Bajamar nicht mehr weg - und das
ist wahr.
Schade, daß wir nicht noch ein paar Touristenbetten mehr haben. Das
wäre gut für den Ort." Das Café Melita ist längst eine
Institution. Aber im Gegensatz zu unserer Annahme erklärt Frau
Bittermann, daß es "vor allen Dingen von spanischen Gästen
lebt", besonders am Wochenende, wenn die Ausflügler aus Santa Cruz
und anderen Ortschaften herkommen. Verständlich: Kuchen und Kaffee sind
hervorragend und die Atmosphäre lädt zum Verweilen ein.
Bajamar ist ein seltsamer Ort. Er wirkt wie ein Überbleibsel aus den
60er Jahren und ist gewöhnungsbedürftig. Auf den ersten Blick wirkt
das Ambiente manchmal ein wenig morbid. Je länger man dort ist, desto
mehr geht ein beinahe undefinierbares Attraktivum von dieser Ansiedlung
aus, die sich jeden Winter in einen Treff derjenigen Deutschen
verwandelt, die Ruhe und gewohnte Umgebung den mondänen
Touristenzentren vorziehen. Noch ein Tip für Fischesser gefällig? Im
Casa Diris werden Sie sicher nicht enttäuscht.
Text und Photo: InfoCanarias |
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